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Django Unchained gesehen

Ich beginne meinen Gedankenaustausch über Quentin Tarantinos neuen Film Django Unchained mit einem klugen Zitat von Andrew O’Hehir:

Lately Tarantino appears to have drifted into the hipster equivalent of George Lucas-land, where everyone around him agrees with his dumb ideas and nobody dares to observe that the movies are fatally undisciplined and way too long and not really about anything.

Dieses Problem hatten in letzter Zeit leider einige große Regisseure. Mir fällt da spontan Christopher Nolan mit seinem überlangen und nichtssagenden Dark Knight Rises ein. Oder auch Peter Jackson mit seinem aufgedunsenen Hobbit.

Nun also auch Tarantino.

Schon Kill Bill und Inglourious Basterds gingen mir persönlich etwas zu sehr in die Breite und funktionierten als stringenter Film nicht mehr richtig und dieser Weg wird mit Django Unchained leider fortgesetzt. Einzelne Szenen sind tolle Unterhaltung und alle Charaktere sind so schön überdreht, aber leider passt nichts so richtig zusammen. Christoph Waltz spielt Hans Landa in nett, Jamie Foxx spielt Django, Leonardo DiCaprio und Samuel L. Jackson spielen die durchgedrehten Fieslinge und dann sind da noch eine ganze Reihe weiterer bekannter Namen, die auch alle ihren kleinen Auftritt erhalten. Niemand ist so richtig lange auf der Leinwand zu sehen und ständig kommen neue Figuren hinzu, die einem egal sind und irgendwann ist der Film dann vorbei.

In einzelnen Schnipseln betrachtet ist das alles total toll, aber als 2 Stunden und 45 Minuten langer Western ist es dann doch etwas viel Stückwerk.

Aber jetzt Schluss mit dem Gemecker. Waltz ist toll, DiCaprio ist toll, Foxx ist ok und Tarantino kann noch immer grandiose Dialoge schreiben. Im letzten Drittel wird nicht gerade wenig Kunstblut verspritzt und dann sind da ja noch die ganzen filmischen Spielereien, über die man sich als Filmnerd natürlich freut wie ein kleiner Junge.

Trotzdem, noch so ein aufgeblasenes Machwerk und Tarantino riskiert bei mir seine Filmografie ganz langsam zu ruinieren.

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Rango sehen und schmunzeln

Rango hätte der Animationsfilm sein können, der sich der polierten Happy-Hippo-Welt von Findet Nemo bis Shrek entgegenstellt und dem debil grinsenden Familienpublikum ordentlich eins vor den Latz knallt. Häufig schafft er das auch, aber insgesamt dümpeln zu viele Szenen im Wiederkäuen von schon Gewesenem herum. Zitate an allerlei Filme – von Fear And Loathing In Las Vegas bis High Noon – reihen sich aneinander und verdrängen dabei die eigene Geschichte.

Die Eröffnungssequenz ist brillant, der erste lange Spaziergang des Chamäleons durch die Wüste ist brillant, eigentlich läuft alles super bis die Szenen aufhören müssen, uns nur ulkigen abgedrehten Quatsch zu zeigen. Irgendwann wird aus dem Chamäleon ohne Namen und Identität der Sheriff Rango und dieser muss irgendetwas zu tun bekommen. Leider präsentiert sich seine Jagd nach den Wasserdieben als unspannend, seine Sidekicks als wenig eigenständig und die große Rahmenhandlung als vorhersehbar. Hier kommt wieder die Moralkeule hervor, die von so vielen Animationsfilmen geschwungen wird. Freundschaft ist wichtig und man muss auf sein Herz hören und alles endet super, wenn wir unsere Fähigkeiten kombinieren und dann gibt es ein Happy End und alle klatschen.

Aber zurück zum Guten. Der Humor ist über große Strecken herrlich skurril und bietet zwar wenig große Lacher, aber viele breite Grinser. Das Timing ist immer einen kleinen Moment versetzt, die Pointe immer ein wenig versteckt und dadurch erfrischend anders als die des Schenkelklopferhumors der Konkurrenz.

Der Film nimmt sich selbst nicht ernst, er bricht häufig die vierte Wand und spielt mit der Meta-Ebene. Für Nerds ist dies spaßig, für den normalen Zuschauer wahrscheinlich anstrengend bis öde und für Kinder nur unverständlich. Ich mochte es sehr, aber ich zähle auch zur ersten Gruppe.

Vor Gore Verbinski muss ich meinen Hut ziehen. Der Mann hätte sich mit weiteren Fluch der Karibik Filmen ein einfaches und reiches Leben machen können, stattdessen setzte er seinen gewonnen Einfluss dazu ein, einen der ungewöhnlichsten Animationsfilme der letzten Jahre durchzusetzen. Dass er es geschafft hat, dann noch die große Effekt-Schmiede ILM anzuheuern und auch allerlei weitere große Namen wie Johnny Depp, Hans Zimmer oder Roger Deakins ist umso erstaunlicher.

Audiovisuell gibt es absolut nichts auszusetzen. Es ist ein Fest für die Augen und bietet neue Bilder, die sich stark von der bunten Pixarwelt absetzen. Keine Figur ist knuffig süß, viele sind sogar einfach nur hässlich oder total grotesk.

So ist Rango leider nicht der erhoffte persönliche Hit, den ich in mein Herz einschließen kann. Zu belanglos ist die Gesamthandlung, zu langweilig alle Nebencharaktere und zu zäh das letzte Drittel des Films. Ein großer Bösewicht taucht erst spät auf und bleibt dann blass und das Actionfinale erreicht nicht die Höhen der zuvor gesehenen Kämpfe.

Trotzdem möchte ich den Film noch einmal im Original sehen. Viele Szenen stecken voller Gags, die ich in der Kürze der Zeit kaum aufnehmen konnte und leider hört sich die deutsche Synchro an vielen Stellen etwas daneben an. Vor allen Dingen die vier singenden Mexikaner sind kaum zu verstehen und so geht leider einiges an Wortwitz verloren.

Vor Rango liefen Trailer für Winnie Pooh, einen Film mit animierten Hasen, dessen Namen ich nicht einmal mehr weiß, einem Film mit animierten Zwergen, dessen Namen ich ebenfalls nicht mehr weiß und von Rio, dem nächsten Dreamworks-Animationsfilm mit sprechenden Papageien. Zwischen all dieser Standardware sticht Rango wie ein verrosteter Nagel hervor und das ist sein größtes Plus.