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Guter Vorsatz: aufhören, wenn die Zeit dafür gekommen ist

Ich werde alt. Bemerkt habe ich dies an einer relativ einfachen Tatsache: die Zeit rennt. Während vor einigen Jahren die Zeit noch eher zäh dahinfloss, ist sie jetzt ein reissender Strom, der mich in meinem kleinen Gummiboot herumschleudert.

Natürlich ist die Zeit nicht weniger geworden, sondern meine Verpflichtungen sind angestiegen. Um diesem Kreislauf zu entfliehen kommt einerseits das Modethema Entschleunigung ins Spiel, aber auch mein eigenes Verhalten in Sachen Medienkonsum. Früher™ konnte ich kein angefangenes Buch nach der Hälfte weglegen, weil ich es doof fand. Es hätte ja sein können, dass in der zweiten Häfte noch total tolle Überraschungen auf mich warteten, die ich damit für immer verpassen würde. Letzte Woche habe ich jedoch genau dies getan. Und diese Woche werde ich das gleiche mit einem Videospiel machen.

Joe Hills Roman Teufelszeug konnte mich etwa zwanzig Seiten lang gut unterhalten, dann nahm die Geschichte eine Abzweigung nach links und wanderte ins Land der ewigen Langeweile. Nach weiteren 200 Seiten waren mir alle Figuren noch immer egal und ich entschloss mich für den drastischen Schritt, die olle Horrorliebesgeschichte einfach links liegen zu lassen. Dank Wikipedia konnte ich schnell das Ende nachlesen und wurde in meiner Entscheidung bestätigt. Die letzten 200 Seiten hätten mir auch keine Freude mehr bereitet.

Etwas anders sieht es beim Videospiel Sleeping Dogs aus. Das durch und durch klassische Open-World-Spiel ist an keiner Stelle wirklich schlecht, aber nach etwa 80% der Hauptstory sehne ich mich nicht danach, auch die letzten 20% zu sehen. Zu generisch und bekannt sind die einzelnen Spielelemente und warum sollte ich jetzt noch weitere vier Stunden in die letzten Missionen stecken, wenn ich bis hierhin gut unterhalten wurde, aber nichts Überraschendes mehr zu erwarten ist. Die vier Stunden kann ich auch in eine andere Freizeitaktivität investieren.

Auch in Sachen Comics habe ich schon einen ersten Kandidaten für meinen guten Vorsatz gefunden. Die Serie Sleeper, wird zwar vom selben Kreativteam wie mein großer Herzensfavorit Criminal produziert, ödet mich aber schon nach einer Ausgabe extrem an. Warum also weiterlesen, wenn da draußen noch so viel unentdecktes und potenziell besseres Material auf mich wartet?

(Disclaimer: Ich hasse Leute, die ungeduldig sind und ununterbrochen von einer Spaßwolke auf die nächste springen wollen. Da will ich nicht hin, sondern allem weiterhin eine zeitlich faire Chance geben. Nur die konservative Stimme in meinem Kopf muss besiegt werden, die mich in meiner Freizeit Dinge zu Ende bringen lässt, die keinen oder kaum noch Spaß machen.)

2013, das Jahr, in dem ich aufhörte, wenn die Zeit dafür gekommen war. Unrasiert bis 2014.

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Zurückblicken und nach Vorne schauen

Das Jahr 2010 ist rum.

Im Leben:

  • Ich habe Geocaching für mich entdeckt. Die ersten 10 Caches sind gefunden und ich kann es jedem empfehlen, der einen Anreiz sucht, um mal ein wenig durch unsere urbane oder ländliche Umgebung zu wandern.
  • An Bahnsteigen warten wurde 2010 zu einer meiner liebsten Beschäftigungen. Erst, weil Bauarbeiten zwischen Nürnberg und Erlangen meine Pendlerzüge durcheinander brachten, dann, weil es plötzlich Winter wurde. Höhepunkt war eine dreistündige Heimreise, die unter normalen Umständen nur 45 Minuten gedauert hätte. Nerviger als die Wartezeiten waren allerdings nur die anderen Reisenden. Wenn jeder „Nie wieder Bahn“-Schwätzer seine Äußerungen auch in die Tat umsetzt, werden die Bahnfahrten 2011 an Entspannung nicht zu überbieten sein.

Auf dem Papier:

  • Moment … also irgendwas Gutes muss ich doch 2010 gelesen haben. Puh. Ne. Oder.
  • Es war auf jeden Fall zu wenig. Ich habe keinen aktuellen Roman gelesen und auch bei älterem Lesestoff sah es sehr mau aus. Dabei ist meine Leseliste bis zum Bersten gefüllt. Dafür müsste ich mich nur sechs Monate irgendwo einschließen und Tag und Nacht lesen. Man kommt einfach zu nix.
  • Oh, doch. Einen habe ich. Den besten deutschen Comic 2010. Jens Harders Alpha. Directions. Mehr Bilderbuch als Comic und mehr Sachbuch als Geschichte und mehr faszinierend als wirklich spannend zu lesen, aber damit sehr viel mehr als viele Bildergeschichten je schaffen.

Im Film:

  • 2010 ist mein an Kinobesuchen ärmstes Jahr seit Beginn der Zeitrechnung. Ich sah nur Up in the Air, Shutter Island, Kick-Ass, Inception, Salt und The Social Network.
  • Zum Glück war keiner der oben genannten Filme eine Gurke. Alle haben mir ein paar schöne Filmmomente beschert.
  • Unter den 100 weiteren Filmen, die ich dieses Jahr auf dem Sofa geschaut habe, war leider kein Film, den ich für immer in mein Herz schließen werde. Am ehesten noch Der Fantastische Mr. Fox.

In der Musik:

  • Arcade Fire haben mit The Suburbs das wohligste Album 2010 rausgebracht.
  • Kings of Leon machen mit Come Around Sundown leider weiterhin nur guten Stadion-Rock.
  • Belle & Sebastian tauchen nach Jahren wieder mit einer neuen LP auf. Ich verliebe mich sogleich in Write About Love.
  • Tame Impalas Desire Be Desire Go wird mein verspäteter Song des Jahres.

 

2011 wird super, weil:

  • True Grit, der neue Coen Brüder Film, in die deutschen Kinos kommt. Außerdem starten: Black Swan, Rango und The Tree of Life.
  • Ich total viel lesen werde. Bestimmt. Hoffentlich. 270 Seiten von Murakamis 1Q84 sind schon geschafft.
  • Neue Alben von den Arctic Monkeys, The Kills, den Decemberists und …And You Will Know Us by the Trail of Dead.
  • Schon Ende Januar erscheint der Nachfolger zum besten Sci-Fi-Horrorspiel der letzten Jahre: Dead Space 2. Außerdem hoffentlich auch toll: The Last Guardian (vielleicht erscheint es ja wirklich 2011) und L.A. Noire.

Aber eigentlich wird 2011 super, weil es neue überraschende Dinge geben wird, die wir noch gar nicht erahnen können. Vorfreude ist ja angeblich die schönste Freude, aber ich mag die Überraschung noch mehr. Deswegen schnell Schluss mit irgendwelchen obskuren Vorhersagen, die dann eh nicht eintreffen werden.

Lassen wir uns überraschen und ein frohes Neues euch allen.