Looper gesehen

Joseph Gordon-Levitt ist Joe. Bruce Willis ist auch Joe. Der erste Joe lebt im Jahr 2042. Der zweite Joe im Jahr 2072. Im Jahr 2072 sind Zeitreisen möglich, aber verboten. Nur das organisierte Verbrechen nutzt die Technik, um sich dem ein oder anderen Menschen zu entledigen. Sie werden zu einer festgelegten Zeit und an einem festgelegten Ort 30 Jahre in die Vergangenheit geschickt. Dort warten schon die Looper auf sie und beenden ihr Leben mit einer handlichen Schrotflinte. Joe ist so ein Looper.

Den Job erledigt man so lange, bis einem das eigene zukünftige Ich geschickt wird. Der letzte Mord beseitigt alle kriminellen Indizien in der Zukunft und schließt den Loop. Wer sich selbst tötet, erhält eine saftige Abfindung und kann 30 Jahre in Saus und Braus leben. Danach wird auch er zurückgeschickt und so weiter und so fort …

Loopers erste Filmhälfte lieferte mir das beste Kinoerlebnis des laufenden Jahres. Anstatt sich mit langen Erklärungsmonologen in Sachen Zeitreise aufzuhalten, wird die Welt und ihre Regeln gezeigt. So ist das mit den Loopern, so arbeiten sie, so leben sie, so wird ein Loop geschlossen, wenn der Loop nicht geschlossen wird ist die Hölle los und dann passiert natürlich genau dies. Die Schauspieler sind sympathisch, die leicht körnigen Bilder fesselnd und die Musik großartig gewählt. Eine Idee nach der nächsten wird aus dem Ärmel geschüttelt und fällt beinah spielerisch an ihren Platz und breitet ein großes Abenteuer vor dem Zuschauer aus. Ich war im Kinohimmel.

Doch ab der Mitte des Films kommen einige Längen hinzu und ein Set neuer Figuren wird eingeführt, die das bisher Gesehene auf den Kopf stellen. Als Gedankenexperiment interessant, nehmen sie dem Film jeglichen Wind aus den Segeln. Wer denkt, dass Bruce Willis und Joseph Gordon-Levitt die Hauptdarsteller sind und sich spektakuläre Duelle als junger und alter Joe liefern, der wird enttäuscht. Beide treffen nur in wenigen (aber dafür wichtigen Szenen) aufeinander und gehen ansonsten getrennte Wege. Der Aspekt der Zeitreise tritt in den Hintergrund und ein zweites Science-Fiction-Element wird eingeführt und bis zum Finale ausgebaut. Anstatt einer gut geölten Eisenbahn, die sich rasend auf das Ziel hinbewegt, verzweigt die Geschichte in allerlei Nebensträngen. Der Schwung verschwindet und aus einem großartigen Film wurde für mich nur noch ein sehr guter.

Trotz diesem kleinen Bruch ist Looper ein ungemein effektiver Science-Fiction-Film mit dem Herz am richtigen Fleck. Es ist kein weichgespülter Hollywoodfilm ohne Ecken und Kanten, sondern fast ein moderner Klassiker. Aber leider nur fast.

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