Wie mir meine 23 Monate alte Nichte Multitouch-Gesten beibrachte

Zur vergangenen Weihnachtszeit saß die Familie gemeinsam am Tisch. Das passiert nicht so häufig, weil ich auf die Idee gekommen war, mein Studium nicht nur in einer anderen Stadt, sondern auch noch gleich in einem anderen Bundesland und dann auch noch in Bayern zu absolvieren.

Ich hatte mein iPad dabei und weil meine Familie Technik gegenüber sehr aufgeschlossen ist, hinterließen alle fröhlich ihre Fingerabdrücke auf dem Display. Dabei passierte nichts aufregendes, außer das es dem ein oder anderen ein „oh“ oder „ah“ entlockte. Manche sagten auch: „Das ist doch nur eine Spielerei!“

Eine Person sagte allerdings gar nichts, sondern schmierte ihre komplette Handfläche über den Touchscreen und gluckste dabei vergnügt. Dieser Jemand war zwei Bierkisten hoch und machte noch in die Windel. Während mein Bruder seiner Tochter nahe brachte, doch mal mit nur zwei Fingern den Bildschirm zu berühren und damit das angezeigte Foto zu vergrößern, saß ich daneben und hoffte, dass meinem 480€ Spielzeug nichts passierte und versuchte dazu ein entspanntes Gesicht zu machen.

Dann geschah es: mit lautem Gackern ließ meine Nichte ihre Hand auf das iPad herunterschnellen, berührte es nur mit vier Fingern, wischte herum und plötzlich wechselte der Bildschirm vom Foto zum Internetbrowser und wieder zurück. Dann tauchte plötzlich die Programmleiste am unteren Rand auf und verschwand schnell wieder. „Was ist passiert?“, fragte mein Bruder verwundert. „Sie hat gerade Multitouch-Gesten genutzt“, war meine lapidare Antwort, während es in meinem Kopf ratterte.

Wieder allein mit dem iPad versuchte auch ich mich an einigen dieser Gesten. Trotz monatelanger Nutzung war ich nie auf die Idee gekommen, mich mit den Vier-Finger-Gesten zu beschäftigen. Zu unbequem erschien mir die Anwendung, wenn ich doch auch einfach zweimal den Home-Button drücken könnte und dann einfach das Symbol eines der zuletzt offenen Programme antippen müsste. Aber wenn ein 23 Monate alter Kacker das hinbekommt, dann kann ich das auch.

Nach einer kurzen Übungsphase taten meine Finger was sie sollten und plötzlich konnte ich blitzschnell zwischen Programmen hin- und herspringen, ohne irgendeine mechanische Taste zu benutzen. Die Tragweite dieser Entdeckung und das mich meine Nichte darauf aufmerksam gemacht hat, kam mir erst heute, einen Monat später.

Ich sah meine Zukunft vor mir. Die rasende Technikentwicklung überholt mich und jüngere Menschen müssen mir erklären, wie ich mit meinem Multifunktionskühlschrank die Wäsche wasche. Mist.

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