Girl With The Dragon Tattoo gesehen

Beginnen wir mit meiner bescheidenen Meinung zur Romanvorlage, aufgeschrieben irgendwann vor über einem Jahr:

Ich bin ein wenig spät dran. Dessen bin ich mir bewusst. Gründe dafür sind meine Skepsis gegenüber dem Mainstream (ja, so einer bin ich) und dem Krimi-Serienmörder-Genre ganz allgemein. Was brachte mich nun also dazu den viel gekauften und viel gelobten ersten Band einer mehrteiligen Reihe aus genau diesem Dunstkreis zu lesen? Es war David Fincher. Moment, werdet ihr sagen, das ist doch der Regisseur von diesem neuen Facebook Film. Richtig, antworte ich und zähle noch Sieben, The Game, Fight Club, Panic Room, Zodiac und Benjamin Button auf. Genau dieser Mann ist auch für die amerikanische Verfilmung des ersten Bandes der Millennium-Trilogie zuständig. Wenn Fincher Interesse an einem Roman hat, dann habe auch ich Interesse an diesem Roman.

Es geht also um Stieg Larssons Vergebung. Wenn ihr nicht unter einem Stein lebt und ab und zu mal einen Buchladen betretet, dann sollten euch dieser Roman und seine beiden Nachfolger schon häufiger begegnet sein. Selbes gilt für die schon fertiggestellten schwedischen Verfilmungen, die sich momentan in den DVD-Regalen eurer Einkaufshäuser stapeln.

Vergebung besteht aus drei Komponenten: den beiden Hauptcharakteren, einigen Mordfällen und einigen Wirtschaftsverbrechen. Hauptfigur 1 Mikael Blomkvist ist ein Journalist und der perfekte Mensch. Er ist klug, gut im Bett und sieht dementsprechend auch blendend aus. Damit ist er als Figur eher langweilig. Hauptfigur 2 hingegen ist eine sehr interessante Frau. Interessant im Sinne von anders. Lisbeth Salander trägt Lederklamotten, ist mal aggressiv, mal passiv, kann sich gut Dinge merken und ist ein Computer-Genie. Sie trägt eine dunkle Vergangenheit mit sich herum, die in diesem Band nur angeschnitten wird. Bei den Figuren gibt es also ein Minus und ein Plus zu notieren.

Womit wir bei den Mordfällen wären. Hier liegt für mich die Stärke der Geschichte, denn die Suche nach einem verschwundenen Mädchen wird spannend und detailliert präsentiert. Die Nachforschungen werden Stück für Stück erklärt und folgen logisch aufeinander, wenn auch manche glücklichen Umstände etwas unrealistisch anmuten. Die meisten Seiten des Romans sind für diese sich ausweitende Serienmördersuche reserviert und können selbst mich als Feind solcher Romane überzeugen. Hierfür gibt es also ein dickes Plus.

Dann sind da aber leider noch der zähe Beginn und das vor sich hindümpelnde Ende, bei denen ein böser Unternehmer durchleuchtet wird, den wir als Figur nie kennenlernen. Er ist der dunkle Schatten im Hintergrund und steht wahrscheinlich symbolisch für all die fiesen korrupten Kapitalisten auf unserer Welt. In langen Monologen werden seine Fehltaten aufgezählt. Als Leser habe ich nur die Schultern gezuckt, weil es nur wenig mit dem Kern der Geschichte zu tun hat. Minus.

In der Endabrechnung stehen also zwei Minus genau zwei Plus gegenüber. Gleichstand, Stillstand, Mittelstand.

Stilistisch ist der Roman gut zu lesen, aber nicht mehr. Es gibt nichts besonderes über Larssons Stil zu berichten, außer, dass er wohl ein riesiger Apple-Fanboy ist und auch allerlei andere technische Geräte gerne bei ihrem echten Namen nennt. Außerdem scheint er eine gewisse Obsession zu Kaffee und belegten Broten zu haben. Beides wird von allen Figuren gerne und viel konsumiert.

Was wird nun David Fincher mit diesem Stoff machen? Ich hoffe auf eine Mischung aus Sieben und Zodiac im winterlichen Schweden. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Gut. Nun. Gestern sah ich endlich David Finchers Version. Im Kern war es so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zum Glück wurde der Beginn und das Ende des Romans für die Verfilmung gekürzt, was viele Kulturschreiber aus der Papierwelt nicht gemerkt haben und nun wegen zu starker Werktreue rumweinen. Sogar eine bescheuerte Liebschaft von Blomkvist und Cecillia ist im Film nicht vorhanden. Trotzdem nimmt der Wirtschaftsteil noch zu viel Raum ein und begräbt die spannende Rätselgeschichte unter sich. Das ist schade, lässt sich aber wohl nicht vermeiden, weil es für die Motivationen der Figuren wichtig ist.

Für mich waren nur 3 Sachen wichtig. Wie wird Lisbeth dargestellt? Super. Ist die Ermittlungsarbeit dicht zusammengeschnitten und kann man ihr dennoch halbwegs folgen? Ja, wobei Nicht-Roman-Kenner ein wenig mehr aufpassen müssen. Stimmt die Atmosphäre durch Finchers Bilder und Trent Reznors Soundtrack? Hell yeah!

Damit war ich dann für 2 Stunden und einige Minuten mehr gut unterhalten. Der Stoff gab kein zweites Sieben und nicht mal ein zweites Zodiac her, dessen sollte man sich beim Kinobesuch bewusst sein.

Ich habe nach dem zweiten Romanteil aufgehört zu lesen, weil mir die ganze Geschichte zu abstrus wurde. Das einzige was mich an einer weiteren Hollywoodverfilmung interessieren würde, wäre ein zweites Zusammentreffen mit Rooney Maras Lisbeth. Warum denn nicht?

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