Den guten Stoff finden

Bergarbeiter in der Medienwelt.

Nachdem der Artikel lange Zeit in meiner Instapaper-Leseliste hin und her geschoben wurde, habe ich „Wake Up, Geek Culture. Time To Die“ letzte Nacht kurz vorm Einschlafen und in der Phase des Wach-/Nichtwach-Deliriums endlich gelesen. Darin erzählt Patton Oswalt, einigen vielleicht aus der Sitcom King of Queens bekannt, von der modernen verweichlichten Nerdkultur, die sich nur im alten Dreck wälzt und nichts Neues auf die Beine stellt. Er nennt den Tag des jüngsten Gerichts „Etewaf: Everything That Ever Was—Available Forever“, was ich ganz lustig finde, aber darüber will ich heute gar nicht reden. Mir ist bei der Lektüre etwas anderes in den Sinn gekommen.

In meiner Position als Medienkonsument des phantastischen Krams komme ich langsam an einen Sättigungspunkt. Vor Jahren saß ich noch staunend auf meinem Bett und blätterte durch Filmzeitschriften und grübelte über Namen wie Stanley Kubrick und was es mit seinen Filmen wohl auf sich hat. Im Hintergrund schwebte immer der Gedanke, dass es da draußen noch so viele grundlegende Werke zu entdecken gäbe und es noch lange dauern würde, bis ich für mich entscheiden könnte, was einen guten von einem schlechten Film unterscheidet. Dabei ging es aber nicht nur um die Filmkunst, sondern auch um die Erzählkunst und die verwursteten Themen. Woher sollte ich wissen, ob diese oder jede Szene nun klischeehaft und vorhersehbar oder als neuartig und aufregend zu interpretieren sei. Bei den ersten Sichtungen war natürlich alles super, aber je mehr ich meine Fühler in die Welt der Romane, Comics, Videospiele und Filme ausstreckte, umso klarer wurde mein Blick. Ich entwickelte meinen eigenen Geschmack, der sich stetig verfeinerte.

Heute habe ich noch lange nicht alle Klassiker gesehen oder gelesen, aber ich weiß langsam, welche sich noch für mich lohnen und welche ich nicht brauche. Mit dieser Erkenntnis macht auch eine Szene vor einer Woche im Elektronikmarkt meines Vertrauens Sinn. Es gab eine 3 für 2 Aktion und ich hatte mich schon für zwei Produkte entschieden. Jetzt konnte ich mir noch einen Film aussuchen und stand vor der riesigen Auswahl an DVDs und BluRays. 5 Minuten vergingen, dann 10, 15, schließlich 20 und nach ewigen 30 Minuten hatte ich endlich eine Entscheidung getroffen. Gefühlt hatte ich die Hälfte der Filme schon gesehen und die andere Hälfte konnte ich gut genug einschätzen, um zu wissen, dass sie mir nicht gefallen würde. Es blieben also kaum noch Titel übrig, die ich entweder schon kannte und gerne nochmal sehen wollte, oder noch weniger Titel, die ich nicht kannte, aber wirklich gerne sehen wollte.

Und damit sind wir am springenden Punkt meiner selbstbezogenen Analyse. Seit Neustem gilt es, zwischen all dem durchschnittlichen und schlechten Medienzeug die kleinen Perlen zu finden. Vor einigen Jahren hatte ich noch eine ewig lange Liste an DVDs, die ich kaufen wollte, heute sind es nur noch eine Handvoll. Mein Durst nach dem großen Ganzen ist gesättigt, jetzt beginnt die Feinarbeit.

Schon lange vor meiner Zeit war der Punkt erreicht, dass beinah alle Geschichten erzählt worden waren. Jetzt gilt es nur noch, alles neu zu mischen und anders zusammenzusetzen. Dabei kommt immer mal wieder etwas Interessantes bei raus und manchmal schaffen es auch ganz neue Ideen und Umsetzungen auf die Leinwand und zwischen die Buchdeckel. Selten, aber es passiert noch.

Jetzt, da ich meinen kulturellen Medienhintergrund zu großen Teilen ausgefüllt habe, tritt Sturgeon’s Law umso heftiger in den Vordergrund. 90% von allem ist Schrott. (Dazu auch ein paar Gedanken von mir drüben bei polyneux.de.)

Im ersten Moment hört sich das alles nun etwas traurig an, ist es aber überhaupt nicht. Glücklicherweise sind zumindest Film und Literatur schon so lange vorhanden, dass sich riesige Berge an Material angesammelt haben, die es zu durchforsten gilt. Dank meiner Grundausbildung in selbstauferlegter Medienkunde (Kubrick=yeah!, Michael Bay=ehh!) kann ich diesen Berg jetzt nach meinem Geschmack filtern. Bei den Grabungen stoße ich immer wieder auf kleine Goldadern und spüre wieder die Lust, Unentdecktes aufzusaugen.

So, wo bekomme ich jetzt eine Version von Roman Polanskis Repulsion her.

PS: Bevor jemand mir elitäres Geschwafel vorwirft: natürlich habe ich nicht alle wichtigen Kunstprodukte der Welt gesehen und kann allgemeingültig einschätzen, was kulturell wertvoll ist und was nicht, aber für mich und meinen Geschmack wird das Bild langsam klarer. Mit dem Geschwafel habt ihr natürlich Recht.

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