Black Swan ansehen

Ich mag Ballett noch immer nicht.

Als ich den Kinosaal nach der Vorstellung von Black Swan verließ, summte ich zwar die Melodie von Schwanensee, aber mit dem Ballett als Tanzvorführung, als künstlerische Abendunterhaltung, konnte ich weiterhin wenig anfangen. Meine Freundin fragte: „Findest du Ballett jetzt gut und aufregend?“
„Nur, wenn jemand mit einer Kamera um die Tänzer herumrennt und ich mir das sauber zusammengeschnitten und mit Bombastmusik untermalt auf einer großen Leinwand anschauen kann“, war meine wahrheitsgemäße Antwort.

Mal ehrlich, warum tanzen die Leute da auf ihren Zehenspitzen? Das ist doch elitäre Abgrenzungsscheiße ohne Sinn und Verstand für die Physiognomie des Menschen. Es gibt in der englischen Wikipedia sogar eine Liste von typischen Verletzungen beim Spitzentanz.

Aber zurück zum Film. Ich fand ihn toll. Kein Meisterwerk, kein Film für die Ewigkeit oder die feine DVD-Sammlung, aber ein audiovisuelles Schmuckstück mit Wucht. Ein Film, der weiß, was er ist und was nicht. Er ist überraschenderweise mehr Unterhaltung als Belehrung. Regisseur Aronofsky sagte in einem Interview: er wolle in erster Linie unterhalten. Und unterhaltend ist Black Swan allemal. Er ist ein kurzweiliger Film, der zwar im sperrigen und teilweise unsympathischen Kunstbetrieb spielt, sich dort aber als Horrorfilm mit wilden Wahnmomenten austobt.

Alle Schauspieler sind toll und ja, Natalie Portman hüpft, tanzt und weint, als wäre das ihr letzter Film und sie müsste noch einmal allen zeigen, was sie wirklich kann.

Die Andeutungen der düsteren Zukunft, der Doppelgänger und Phantasiegestalten sind zu viel und zu direkt, jede Oberfläche spiegelt die Protagonisten und lässt Zerrbilder über die Leinwand flitzen. Die Handlung ist vorhersehbar und alles wird mit dem Holzhammer und großem Getöse kommuniziert, aber es macht Spaß und es reißt mit.

In meiner Vorstellung saßen überraschend viele Frauen, die sich quiekend von den Schockmomenten abwandten und auch meine Freundin hat wahrscheinlich nur die Hälfte des Films gesehen, weil sie immer wieder wegschauen musste. Ihr gefiel der Film überhaupt nicht. Black Swan ist durch und durch ein Horrorthriller und sollte auch als solcher gesehen werden.

Ich hatte einen verkopften Film erwartet und bekam einen Rausch geliefert. So sollte Kino immer sein.

Zum Schluss noch der Trailer und ein Link zum Little White Lies Magazin Nr. 33 mit einigen spannenden Artikeln zu Black Swan.


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5 Gedanken zu “Black Swan ansehen

  1. Toller Film, kann nur zustimmen. Mit allen Pros und Contras.
    Einen Streifen nach „Fame“-Manier hat man beim Regisseur Darren Aronofsky nun zum Glück nicht zu erwarten. ;)
    Wahrscheinlich trägt Frau Portman auch ihren Oskar heim…

    Frau Müller

  2. Mir hat der Film auch sehr gefallen, obgleich ich „Requiem for a Dream“ noch ein wenig besser fand. Psychologisch gesehen sind aber alle Aronofskys sehr feine Kost, hier werden die menschlichen Abgründe einmal richtig aufgedeckt. Mich hat neben Portman auch Mila Kunis sehr überzeugt, die habe ich sonst eigentlich immer so als typische Durchschnitts-Schauspielerin empfunden, hat mich positiv überrascht. Die Figur des Tanzlehrers fand ich leider etwas zu überspitzt dargestellt, das blieb mir als einzig wirklich negative Sache im Gedächtnis. An Vincent Cassel lag es aber nicht, der war großartig, nur der Charakter gefiel mir überhaupt nicht.

    Ich denke bei einer zweiten oder dritten Sichtung findet man noch weitere kleine Überraschungen. Der Film versteckt glaube ich mehr als man bei der ersten Sichtung finden kann.

  3. Ich bin ja auch großer Aronofsky Fan und wurde bisher von keinem seiner Filme enttäuscht.

    Requiem habe ich bisher nur einmal gesehen, weil er einfach so ein extremer Downer ist. Ich hatte schon so oft die Kauf-DVD davon in der Hand und habe sie wieder zurückgelegt, weil ich mich nicht nochmal selber fertigmachen wollte.

    Bin schon sehr gespannt, was der gute Mann mit dem nächsten Wolverine Film so anstellt.

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