Silvester feiern

Es folgt Gemecker eines alten Mannes, der auf seinem Balkon sitzt und auf der Straße vorbeilaufende Menschen anschreit.

Gegen die Idee, das Ende des Jahres zu feiern, ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber die Art und Weise geht mir gehörig auf die Nerven. Silvester – übrigens nicht Sylvester, Sly und die Katze haben damit nichts zu tun – ist ein Fest für Alkis und Böller-Spackos.

Wahrscheinlich ist Silvester auf dem Dorf ganz nett, wenn nur alle hundert Meter jemand auf der Straße steht und entspannt seine Raketen in den Nachthimmel schießt. In der Stadt ist Silvester allerdings schon drei Tage vor dem 31. die verdammte Hölle. Alle 30 Minuten juckt es irgendjemandem derart in den Fingern, dass er schon mal ein paar Böller und Raketen zünden muss, die er noch vom letzten Jahr in der Schublade liegen hat. Ist dann der heilige Tag gekommen, an dem die Geschäfte endlich bergeweise Knallkörper unter das Volk bringen dürfen, drängelt sich die hungrige Meute sabbernd in die Läden und kauft und kauft und kauft. Ganze Monatsgehälter werden dann in hundert Schuss starke Batterien investiert. Egal ob HartzIV-Empfänger oder Bänker, das Geld wird nur so rausgefeuert.

Gleiches gilt natürlich auch für den Alkohol. Denn was ist bitteschön eine bessere Kombination als betrunken zu sein und dann explodierende Gegenstände durch die Gegend zu werfen. Besser geht es doch gar nicht.

Am Tag selbst muss man sich überlegen, wie und wo der Silvesterabend verbracht werden soll. Ein wichtiger Punkt ist hierbei, keine Privatparty aufzusuchen, bei der sich mehrheitlich Menschen aufhalten, die ihr nicht leiden könnt. Das gilt natürlich grundsätzlich für alle Partys, aber an Silvester ganz besonders. Denn an Silvester seid ihr gezwungen, bis mindestens 00:00 Uhr mit diesen Menschen auszukommen. Habt ihr richtig Pech, dann gibt es noch lustige Partyspiele und dann bleibt euch nur noch der Alkohol als Freund übrig. Wahrscheinlich sind deswegen so viele Menschen schon vor 12 hackedicht.

Um 24 Uhr geht es dann mit dem Böllern los. Um euch meine Abneigung dagegen zu verdeutlichen, hier einfach ein paar Beispiele aus dem echten Leben:

  • Jemand wirft einen Böller in eine Flasche und wirft diese in eine Menschenmenge. Reflexartig fängt sie jemand auf. Böller und Flasche explodieren. Krankenwagen.
  • Man sitzt in einer Straßenbahn, während von draußen eine Gruppe alkoholisierter Jünglinge einen Böller nach dem anderen auf das Dach der Bahn schleudern.
  • Brennende Mülltonnen.
  • Vermummte Typen, die plötzlich um die Straßenecke kommen, an einem vorbeilaufen und zufällig angezündete Böller fallen lassen.
  • Raketen werden aus wackeligen Flaschen gestartet. Die Flaschen fallen um und die Raketen fliegen in die Menschenmenge oder beim Nachbarn gegen oder gleich ins Fenster.
  • Menschen stehen am offenen Fenster und werfen Böller auf die Straße, wo andere gerade versuchen, entlangzulaufen.
  • Na ja und dann gibt es noch so Brände, bei denen jedes Jahr Menschen sterben.

Am nächsten Morgen hat man dann einen dicken Schädel, wahrscheinlich versengte Kleidungsstücke und die Straßen sehen noch tagelang so aus, als wären mehrere Schreibwarenläden explodiert. Alles in allem ist Silvester in Deutschland also nicht so geil. Ein Tag, an dem alle super glücklich zu sein haben und die Gesellschaft einmal im Jahr offiziell die Erlaubnis bekommt, total die Sau rauszulassen und voll crazy zu sein.

Vielleicht fahre ich nächstes Jahr mal nach Paris. Da soll es entspannter zugehen.

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